SpielberichteSpielbericht: Croatia vs. FSV Köln 99 II

Spielbericht: Croatia vs. FSV Köln 99 II

Vermeidbare Heimpleite
 
Kein glücklicher Einstand für Trainer Marijo Caleta bei der 1:2 (0:2)-Niederlage des HNK Croatia Köln im Nachholspiel des 15. Spieltags gegen den 1. FSV Köln 99 II. Obwohl die „kölschen Kroaten“ keine gute Partie machen, erarbeiten sie sich dennoch genügend Chancen, um die Begegnung im Normalfall zu ihren Gunsten zu entscheiden.
 
Hatte man sich im Dezember noch einmal zusammengerauft, geht man nun doch getrennte Wege. Vor knapp drei Wochen gab zunächst Co-Trainer Ante Batarilo seinen Rücktritt bekannt. Keine 24 Stunden später legte auch Robert Bunoza sein Amt nieder. Der Chef-Trainer sah sich nicht mehr in der Lage, den angestrebten Weg mit seinem Team weiter fortzuschreiten. Der Verein bedankt sich sowohl bei Bunoza als auch bei Batarilo für die investierte Zeit, ihre Mühen sowie ihr Engagement und wünscht ihnen für die Zukunft alles Gute. Mit Marijo Caleta konnte glücklicherweise schnell ein geeigneter Nachfolger gefunden werden. Der Übungsleiter, der in der Vergangenheit bereits die Croatia-Reserve betreute, ist kein Unbekannter im Verein und genießt den Vorteil, sämtliche Spieler zu kennen. Sein Debüt musste allerdings um eine Woche verschoben werden, da das ursprünglich für letzten Sonntag angesetzte Nachholspiel gegen die Zweitvertretung des 1. FSV Köln 99 aufgrund einer verhängten Platzsperre auf der Bezirkssportanlage Bocklemünd abgesagt werden musste. Die erneute Spielverlegung hatte zur Folge, dass der HNK ein vereinbartes Testspiel beim B-Ligisten DJK Südwest nicht bestreiten konnte. Im dritten Anlauf durfte die Partie gegen die Elf aus Weidenpesch, die für ein Team aus der unteren Tabellenhälfte eine ungewöhnlich gute Defensivstatistik aufweist, also endlich über die Bühne gehen.
 
In der 6. Spielminute zog Frankopan Bago nach Vorarbeit von Danijel Matic einfach mal ab. Kein schlechter Abschluss, aber auch keine Probleme für den FSV-Keeper. Nach 17 Minuten gingen die Gäste durch einen Freistoß aus etwa 30 Metern in Führung. Die Kugel landete zunächst an der Unterkante der Latte und zappelte anschließend im Netz – 0:1. Zugegeben, schön anzusehen, aber keinesfalls unhaltbar. Fünf Minuten später sah die Croatia-Defensive schlecht aus, ein FSV-Kicker ließ sich nicht zweimal bitten und traf ins lange Eck zum 0:2 (22.). Kurz darauf bot sich der Gästeelf die große Chance zu einer möglichen Vorentscheidung, als ein Weidenpescher auf das HNK-Gehäuse zulief, jedoch etwas zu früh abschloss und das Leder über den Querbalken beförderte. Im Gegenzug ließ Geburtstagskind Jozo Radmilo einen „Hochkaräter“ liegen, indem sein Heber aus hervorragender Schussposition über das Tor ging. Der Mittelfeldspieler wollte es in dieser Situation einfach zu schön machen und verschenkte auf diese Weise eine große Gelegenheit zum Anschlusstreffer (28.).
 
Dennoch erwies sich diese Großchance als Weckruf, denn in der Schlussviertelstunde des ersten Durchgangs gelang es der Caleta-Elf, die Schlagzahl deutlich zu erhöhen. Einen Schussversuch von Matic wehrte der FSV-Torwart zunächst ohne Schwierigkeiten ab (32.), eine Minute später entschärfte er dagegen eine sehr gute Chance von Tomislav Zlatunic, den Caleta erst wenige Augenblicke zuvor als neuen Impulsgeber für den jungen Tomislav Soldan brachte, mit einem tollen Reflex (33.). Mit dieser Aktion spielte sich Zlatunic sofort in den Vordergrund und bemühte sich fortan um mehr Spielkultur in Reihen des HNK. In der 38. Minute parierte der Gästetorhüter einen Freistoß von Kapitän Tomislav Rados sehenswert. Nachdem Vedran Kosic die gegnerische Nummer 1 mit einem strammen Abschluss nicht überwinden konnte, scheiterte auch Marko Dzelalija mit seinem Nachschuss aus kurzer Distanz am Schlussmann (40.). In der nächsten Szene stand ausnahmsweise nicht der Torwart im Mittelpunkt, sondern ein Feldspieler, der einen Kosic- Kopfball kurz vor der Linie klären konnte (43.). Bis zum Pausenpfiff zeichnete sich der FSV- Keeper dann noch zwei weitere Male aus, als er zuerst einen wuchtigen Schuss von Kosic stark abwehrte (45.), um in der Nachspielzeit einen ebenfalls strammen Matic-Abschluss schön zu parieren.
 
Der entscheidende Faktor in den ersten 45 Minuten war die Chancenverwertung. Während die Gästeelf aus wenig Gelegenheiten sehr viel machte, machte der HNK aus vielen Möglichkeiten gar nichts. Bis zu dieser Druckphase, die derartige Torchancen erst ermöglichte, benötigte die Croatia- Elf allerdings fast eine halbe Stunde Anlaufzeit. Großen Anteil daran hatte die frühe Einwechslung von Zlatunic, der für wesentlich mehr Belebung sorgte. Bis dahin fiel den vom Papier her favorisierten Gastgebern nämlich kaum etwas ein, während die FSV-Reserve auf ihre Chance lauerte und zur eigenen Freude dann sogar zweifach zuschlug.
 
Nach dem Wiederanpfiff drängte der HNK weiterhin auf den Anschlusstreffer. In der 52. Minute hätte man als Croatia-Sympathisant jedoch wahnsinnig werden können. Dzelalija versuchte die Kugel ins lange Eck zu schlenzen, doch der Torwart parierte mit einer schönen Flugeinlage. Der HNK kam sofort wieder in Ballbesitz, Matic legte schön für Danijel Komljenovic auf, der wiederum das linke untere Eck anvisierte. Zum Torerfolg reichte es aber wieder nicht. Der Schlussmann war zwar erstmals geschlagen, jedoch bewahrte der Pfosten die Gäste vor einem Gegentreffer. Einem erneut schnellen Ballgewinn ließ Radmilo ein Zuspiel auf Kosic folgen, der aus aussichtsreicher Position am Gehäuse vorbeischoss – drei vielversprechende Möglichkeiten binnen kürzester Zeit. Nach 57 Minuten startete Kosic ein Solo, gegen die Laufrichtung des Torwarts schob er den Ball an diesem, leider aber auch am Kasten vorbei. Nachdem Radmilo einen Freistoß nur knapp über den Querbalken platzierte (59.), hatte die Gästeelf das Schlimmste überstanden, denn in der Folge ließ der HNK in seinen Offensivbemühungen merklich nach.
 
Erst in der 74. Minute gab es die nächste nennenswerte Szene, als der mittlerweile eingewechselte Jakov Blazevic einen Freistoß, den man eher als Hereingabe erwarten würde, direkt aufs Tor beförderte. Der Keeper ließ sich allerdings nicht düpieren und lenkte die Kugel über die Latte. In der Schlussphase hatten die Gäste die große Möglichkeit, den Sack zuzumachen. Ein FSV-Akteur setzte sich im Laufduell gegen einen Croatia-Verteidiger durch, anschließend legte er sich den Ball am weit herausgeeilten Aushilfstorhüter Ivan Nevistic vorbei, sein Schuss ging allerdings neben das verwaiste Croatia-Gehäuse (80.). Nachdem Bago wegen Foulspiels die gelb-rote Karte sah (82.), kamen die Gäste kurz darauf zu noch einer aussichtsreichen Möglichkeit, als ein FSV-Kicker im Anschluss an einen Freistoß im Zentrum völlig unbedrängt per Direktabnahme abschloss. Die Kugel ging jedoch ein kleines Stück am Pfosten vorbei (85.). In der 88. Minute blieb auf Croatia-Seite abermals eine Großchance ungenutzt. Kosic drang über die rechte Seite in den Strafraum ein und schoss das Leder am langen Eck vorbei. In der Nachspielzeit beförderte Kosic einen auf den zweiten Pfosten getretenen Freistoß umgehend in die Mitte, wo der aufgerückte Außenverteidiger Wolfgang Wolgast-Zivkovic, der wenige Stunden zuvor erst aus dem Urlaub zurückkam, kämpferisch dennoch voll überzeugte, den Ball nur noch über die Linie drücken musste – 1:2 (91.). Zu mehr reichte es aber nicht, da die letzte Möglichkeit der Partie in Form eines Freistoßes, den Nevistic über den Querbalken lenkte, der Gästeelf gehörte (93.).
 
Mit zwei Monaten Verspätung beendete der HNK Croatia Köln die Hinrunde mit einer Heimniederlage. Irgendwie passend zu einer bisher ohnehin verkorksten Saison. Obwohl der HNK zwar auch in diesem Meisterschaftsspiel keine überzeugende Leistung bot, muss diesmal aber klar gesagt werden, dass die Caleta-Truppe die Partie dennoch keinesfalls verdient verloren hat. Angesichts der vorhandenen Torchancen wäre sogar eine Punkteteilung für den HNK zu wenig gewesen. Die Gäste aus Weidenpesch traten auch nach der Pause in der Offensive kaum in Erscheinung. Lediglich in den letzten zehn Minuten, in denen Croatia gezwungen war, noch mehr zu riskieren, setzte die FSV-Reserve einige Nadelstiche. Am Ende belohnte sich die Gästeelf dank einer wesentlich effektiveren Chancenverwertung, einer tollen Torwartleistung sowie einer gehörigen Portion Glück mit drei eminent wichtigen Punkten im Kampf um den Klassenerhalt. Die Caleta-Schützlinge dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Gemeinsam mit dem Trainer gilt es nun, durch gezielte Trainingsarbeit gewisse Dinge aufzuarbeiten. Das Team darf den Mut nicht verlieren. Es werden auch wieder erfreulichere Zeiten auf den Verein zukommen. Ganz sicher.
 
Am kommenden Wochenende bestreiten die „kölschen Kroaten“ kein Spiel. Da wird das Geschehen in erster Linie durch das närrische Treiben des Kölner Karnevals bestimmt. In 14 Tagen gibt es dann aber sofort die Gelegenheit zur Revanche, wenn zum offiziellen Rückrundenauftakt der Gegner erneut 1. FSV Köln 99 II heißt. Spielbeginn auf der Bezirkssportanlage Weidenpesch ist um 15 Uhr. In diesem Sinne, Kölle Alaaf!
 
Aufstellung: 1 Nevistic – 2 Wolgast-Zivkovic, 5 T. Rados, 3 Baricevic – 7 Soldan (ab 32. 10 Zlatunic), 13 Komljenovic – 23 Bago, 6 Radmilo (ab 63. 11 Blazevic), 8 Dzelalija – 9 Kosic, 41 Matic
Tore: 0:1 (17.), 0:2 (22.), 1:2 Wolgast-Zivkovic (90. + 1.)
Gelbe Karten: Komljenovic (37.), Kosic (40.), Bago (66.), Matic (81.) / 1. FSV Köln 99 II (37.) Gelb-Rote Karte: Bago (82.)
 
Geschrieben von: Manuel Herceg