SpielberichteSpielbericht: Croatia vs. Merkenich

Spielbericht: Croatia vs. Merkenich

HNK und SVM liefern sich tollen Kampf

Im interessantesten Duell des 21. Spieltags der Kreisliga C Staffel 1 verlangt der HNK Croatia Köln dem Aufstiegskandidaten SV Merkenich alles ab. Dennoch reicht es am Ende nicht ganz, die Curak-Elf muss sich erstmals in 2015 geschlagen geben – Endstand: 1:2 (0:0).

Seit dem Croatia-Aufstieg in die Kreisliga C ist der SV Merkenich stets ein Ligakonkurrent gewesen. In den ersten beiden Jahren verließen die „kölschen Kroaten“ in vier Partien den Platz immer als klarer Sieger. Vor etwas mehr als 18 Monaten leitete der SVM dann aus seiner Sicht die Wende ein. Die damalige Zweitvertretung wurde das neue Flaggschiff, zudem verstärkte sich der Kader mit einigen begnadeten Jungspielern. Ergebnis: In den folgenden drei Aufeinandertreffen drehte Merkenich den Spieß um und gewann jedes Spiel gegen den HNK. Höhepunkt war sicherlich der klare 7:0-Hinspielerfolg, als die „Kroaten“ nach dem ersten Gegentreffer hoffnungslos unterlegen waren und sich ein Klassenunterschied abzeichnete. Noch einmal wollten die Curak- Schützlinge eine derartige Demütigung nicht über sich ergehen lassen. Der HNK-Übungsleiter setzte gleich auf den 19-jährigen Debütanten Angelo Kosic, der für den kurzfristig ausgefallenen Joni Quorayt in die Startelf rückte. Zudem stand auch „Feuerwehrmann“ Thomas Jackschik zur Verfügung. Er erhielt den Sonderauftrag, die kreativen Momente der Gäste zu begrenzen.

Nach vier Minuten führte ein Eckstoß von Lukas Bajcic zu einer Doppelchance der Heimelf. Vedran Kosic kam am langen Pfosten zum Kopfball, scheiterte allerdings am Torhüter. Der aufgerückte Innenverteidiger Tomislav Rados konnte mit seinem Nachschuss die vielbeinige Gästedefensive inklusive Keeper ebenfalls nicht überwinden. Auf der anderen Seite erspielte sich der SVM eine tolle Schussgelegenheit, aber Aushilfstorwart Ivan Cavar reagierte mit einer fantastischen Fußabwehr (7.). Nur eine Minute später jagte der Aufstiegsaspirant einen Freistoß aus rund 17 Metern aufs Croatia-Gehäuse, doch Cavar riss im richtigen Moment noch die Fäuste hoch und lenkte die Kugel über den Querbalken (8.). Nachdem Cavar gegen einen herangerauschten Stürmer entscheidend klären konnte (12.), kam der HNK zu einer exzellenten Möglichkeit. Außenverteidiger Tomislav Soldan spielte das Leder zu A. Kosic, dieser leistete daraufhin mit einem herrlichen Ball vom rechten Flügel wunderbare Vorarbeit für seinen Bruder V. Kosic. Der Croatia-Sturmführer setzte das Spielgerät freistehend aus zentraler Position knapp am rechten unteren Eck vorbei (13.). Kurz darauf erwies sich ein Gästeverteidiger beim Versuch die Kugel abzuschirmen und ins Toraus trudeln zu lassen als unaufmerksam, denn es folgte ein bärenstarker Ballgewinn von Jackschik. Ante Zgela schlug umgehend eine Flanke von der linken Seite, im Luftkampf mit zwei Gegenspielern traf V. Kosic das Leder per Kopf nicht ideal, sodass es klar über den Kasten flog (15.). In der 17. Minute setzte sich der enorm starke Linksaußen der Gäste gekonnt gegen Soldan durch, aus guter Schussposition jagte er das Ding aber ebenso deutlich über das Tor. A. Kosic versuchte es per Direktabnahme, aber vorbei. Viel fehlte zwar nicht, wirklich gefährlich war es letztlich allerdings auch nicht (21.). Nach 24 Minuten hatten die Gäste freie Schussbahn, jedoch weit über den Querbalken. In der 30. Minute bot sich dem SVM unweit des Sechzehners abermals eine Freistoßgelegenheit. Landete dieser zuerst noch in der Mauer, fand der Nachschuss seinen Weg aufs Tor, aber Cavar parierte. In der Schlussphase des ersten Durchgangs zog der glänzend aufspielende A. Kosic mit einer sehenswerten Einzelaktion in den Strafraum. Ausgerechnet der einzig verbliebene Verteidiger war letztlich in der Lage, ihn durch starken Einsatz am Abschluss zu hindern (37.).

Packende 45 Minuten endeten torlos. Die Zuschauer auf der insgesamt gut besuchten Sportanlage in Bocklemünd bekamen zweifelsohne eine temporeiche sowie hochspannende Begegnung geboten. Trainer Curak zeigte sich mit seinen Jungs dementsprechend zufrieden, allerdings forderte er beim finalen Pass sowie bei den Hereingaben vom Flügel mehr Präzision.

Kurz nach Wiederanpfiff wurde es im HNK-Strafraum brenzlig, aber Rados stand gut und blockte die Kugel erfolgreich (48.). In der Folge gelang es beiden Teams erstmal, den Ball vom eigenen Gehäuse fernzuhalten. Nach 62 Minuten war erneut Rados zur Stelle und blockte stark, beim anschließenden Eckstoß gelang es der Curak-Elf dann jedoch nicht, das Leder aus der Gefahrenzone zu schlagen. Ein Merkenicher fand daraufhin die einzige Lücke, die sich ihm bot und versenkte das Spielgerät ins rechte untere Eck – 0:1. Curak reagierte kurz darauf, brachte Danijel Matic für Soldan und stellte auf ein offensiveres System um. Gelastopoulos beförderte eine Bajcic-Ecke per Direktabnahme auf den gegnerischen Kasten – knapp vorbei, aber mit zu wenig Tempo, um den SVM zu gefährden. In dem dichten Gewühl war es allerdings auch alles andere als leicht, den Ball so zu treffen, wie man es gerne getan hätte (67.). Kurz darauf wurde das Leder im Sechzehner gut durchgesteckt, die Gästeverteidigung konnte dann allerdings den Schussversuch von D. Matic blocken (69.). Nachdem der SVM-Keeper einen Kopfball von V. Kosic nach Rados-Freistoß abwehrte (72.), blieb Cavar auf der anderen Seite im 1-gegen-1 Sieger und entschärfte somit eine hervorragende Gästechance (73.). Eine Flanke vom rechten Flügel putzte Jackschik aus dem Fünf- Meter-Raum, ein sträflich freier Angreifer hatte am zweiten Pfosten bereits gelauert (74.). Bago setzte einen Freistoß knapp über den Kasten, der Torhüter erkannte allerdings frühzeitig, dass er nicht eingreifen muss (75.). Nach 78 Minuten schien dann eine Vorentscheidung zugunsten des Ligazweiten gefallen zu sein, als nach einem wilden Durcheinander die Kugel irgendwie über die Linie gestochert werden konnte – 0:2. Einen Linksschuss setzten die Gäste aus zentraler Position weit über das Tor (80.), ehe man in der 83. Minute den Sack hätte zumachen können. Ein Angreifer stürmte alleine auf den Croatia-Kasten zu, sein etwas zu kraftvoller Heber flog letztlich über das Tor. Rados setzte einen schwachen Kopfball neben das Gehäuse, wenige Augenblicke später ließ Gelastopoulos zwei Gegenspieler stehen, schoss dann jedoch am langen Pfosten vorbei (85.). Eine Minute später schlug A. Zgela eine schöne Flanke von der linken Seite, V. Kosic platzierte die Kugel völlig freistehend ins lange Eck – 1:2 (86.). Der SVM zog sich anschließend komplett zurück, agierte ohne echten Stürmer. Der HNK drängte auf den Punktgewinn, konnte aber nicht mehr bis in die Gefahrenzone vordringen. Stattdessen gab es noch einmal einen Freistoß für die Gäste. Trotz großer Entfernung probierten sie es direkt, Cavar hielt den zentral geschossenen Ball folglich sicher (90.). Die mehr als vierminütige Nachspielzeit brachte schließlich auch nichts mehr ein, sodass sich die Curak-Elf dem Favoriten nach aufopferungsvollem Kampf knapp geschlagen geben musste.

Großartige Werbung für den unterklassigen Amateurfußball wurde auf dem Bocklemünder Aschenplatz geboten. Von der Tabellensituation zwar nicht, aber von der Darbietung auf dem Platz trug dieses Aufeinandertreffen schon die Würde eines Spitzenspiels. Zwei Teams, die in diesem Jahr bislang ausnahmslos siegreich waren, schenkten sich nichts. Es ging hin und her, rauf und runter. Entwickelte sich das Hinspiel noch zu einer völlig einseitigen Angelegenheit, wurde das Rückspiel zu einem – gerade von Croatia-Seite erhofften – absoluten Duell auf Augenhöhe. Den „Kroaten“ fehlte in der einen oder anderen Aktion letztlich das berühmte Quäntchen Glück, das den Spitzenteams öfter mal zur Seite steht. Nichtsdestotrotz: Die Qualität des SVM ist unbestritten. Lässt man der Merkenicher Abteilung „Attacke“ den nötigen Freiraum, so minimal er auch nur sein mag, ist es schon eine Augenweide, den Jungs zuzuschauen. Aber auch der HNK bewies, dass er in der Lage ist, Fußball zu spielen. Beste Beispiele dafür waren der einmal mehr richtig starke Antreiber Bajcic sowie Debütant A. Kosic, der ins kalte Wasser geworfen wurde, dann jedoch insbesondere im ersten Durchgang ein fantastisches Spiel ablieferte. Ganz wichtig: Die Mannschaft funktionierte erneut als Einheit. Um jeden Ball wurde rigoros gekämpft. In dieser Hinsicht ist ein Jackschik besonders zu erwähnen, der – obwohl er nur in absoluten Notfällen aufläuft – es immer wieder versteht, seinen Gegenspieler in Schach zu halten. Nach insgesamt 379 Minuten ohne Gegentor zappelte das Leder zwar wieder im Croatia-Netz und trotz erster Punktspiel-Niederlage in 2015 konnte die Curak-Elf das Spielfeld hocherhobenen Hauptes verlassen, auch wenn der Trainer selbst vermutlich doch Kritikpunkte finden wird. Fazit: Es wurde guter und kampfbetonter Fußball geboten. Wenn man dann nach Spielende sieht, dass beide Parteien sich die Hand reichen und normal in die Augen schauen können, kann man wohl von einem gelungenen Fußballnachmittag sprechen, an dem nicht viel falsch gelaufen ist. HNK gegen SVM – das Duell am Ostermontag könnte sehr wahrscheinlich das vorerst letzte Kapitel gewesen sein. Die Aufstiegschancen der Merkenicher stehen mehr als gut. Im Meisterschaftskampf spricht man noch ein großes Wörtchen mit, aber auch der Gang durch die Hintertür ist dank der Quotientenregel eine sehr realistische Alternative. Denn auch hier steht der SVM zum jetzigen Zeitpunkt sehr gut da.

Am Sonntag geht es weiter, der HNK Croatia Köln gastiert bei der SG Telekom-Post. Anstoß ist um 15 Uhr.

Aufstellung: 1 Cavar – 2 Soldan (ab 66. 41 D. Matic), 13 Komljenovic, 5 Rados, 23 Bago – 6 Jackschik, 10 Bajcic – 19 A. Kosic (ab 79. 4 Obsivac), 7 Gelastopoulos, 11 A. Zgela – 9 V. Kosic Tore: 0:1 (62.), 0:2 (78.), 1:2 V. Kosic (86.)

Gelbe Karten: Bajcic (19.), Komljenovic (52.), Jackschik (86.), Obsivac (90.), Bago (90. + 1.) / SV Merkenich (12., 59., 65., 82.)

Geschrieben von: Manuel Herceg